Vertikaltisch von Heimo L.

Was das Fräsen von Löchern auf den Stirnseiten von Platten aller Art betrifft, sind wir auf unseren Portalfräsen zwar vielen anderen Maschinen im Vorteil, aber kaum wer nutzt sie. Hermann Möderl präsentierte dazu eine sehr gute Lösung. Er verwendet dazu bei Bedarf eine zweite Frässpindel, die er auf die Z-Einheit waagrecht befestigt.

Seitliche Halterung für Frässpindel - Hermann Möderl

Eine andere Methode ist ein Vertikaltisch. Dieser eröffnet mehrere Möglichkeiten:

  1. Vertikales Anbringen von Schraubstöcken, die zu hohe Halbzeuge halten können
  2. Eine 4. Achse, die wirklich groß, stabil und steiff ist, braucht Platz und da ist meistens auf “Z” zuwenig dafür da. Hier geht sich das eher aus
  3. Senkrechtes Aufspannen von Plattenmaterial, um stirnseitig zu Bohren oder zu Fräsen. Dazu muss man aber rechtzeitig, also in der Planungsphase, dafür sorgen, dass das Verhältnis zwischen Verfahrweg, Schrägheit der Portalwangen und Überfahren der vordersten Fräsposition über den Aufspanntisch hinaus, stimmt.

Der Funken sprang bei mir über, als ich dieser Tage den Beitrag von Heimo (User KBG HL)aus der CNC-Ecke gelesen hatte. Der hat das nämlich perfekt realisiert und es dürfte gut funktionieren. Weil dort nicht jeder registriert ist, habe ich mir von Heimo sein Einverständnis für die Veröffentlichung seiner Fotos eingeholt und erwähne ihn gerne mit Copyright-Angabe. Er hat für Euch sogar ein 3D-PDF zur Verfügung gestellt (das ist ein besonderes PDF, wo man mit der Maus dreidimensional das Bild drehen kann), ich lege es hier bei: Download 3D-PDF

Auch schrieb er mir: “… kein Problem, wenn du mich zitierst und meine Ideen weiter verbreitest. Ich hatte zu Beginn selber Bedenken wegen der Stabilität, und muss auch noch die Achse Am Portal umbauen weil die Z-Achse Übergewicht nach vorne hat, da kommt hinten noch ein Profil mit Führungsschiene rein zu abfangen.”

Lieber Heimo, falls Du bereits hier mitliest, vielen Dank dafür!

Die senkrechte Platte des Vertikaltisches:

cnc fräse 002

Hier sieht man sehr schön den grossen Niederzugschraubstock:

fräse 003

 

 

Spannzangen-Adjuster “Zerodas” der Firma Yukiwa

Nein, ich habe nicht japanisch gelernt. Yukiwa ist eine japanische Firma, die ich zufällig gefunden habe. Ich vermute, es war in einem der vielen englischen Werkstattforen, leider weiss ich nicht mehr, wo es war, es kann auch ein Dampfforum gewesen sein. Dort berichtet ein Bastelfreund, dass er mit dem Zerodas-Tool die Rundlaufungenauigkeit unserer gängigen ER-Spannzangen wegbringt. Das Tool ist zwar für andere Spannzangensysteme gedacht, der Forenschreiber berichtete aber,  daß es auch bei den in unseren Chinafrässpindeln verwendeten ER-Spannzangen funktioniert!

Zerodas 00Zerodas 01
Details siehe
http://www.yukiwa.co.jp/e/company/greeting.php

Ich habe mir überlegt, eine ähnliche Variante nachbauen. Bei unserer Chinafrässpindel sollte es an der Möglichkeit, das Teil zu montieren, nicht scheitern. Das Prinzip dieses Teils ist einfach:

  • Man misst mit einer Messuhr (Stativ) die Ungenauigkeit des Fräsers am Schaft
  • Nun kommt der “Zerodas”-Justierer auf die ER-Spannmutter
  • An der Stelle, wo der Fräser am nächsten zum Fühler der Messuhr steht, kommt die Schraube, die die Ungenauigkeit richten soll
  • Man dreht solange an der Schraube, bis der Rundlauf rausgedrückt, also besser oder gar ganz weg ist.

Jedenfalls konnte ich zunächst nicht gauben, daß das funktionieren soll. Anscheinend aber doch, denn da dürften die Spannmutter am Gewinde genauso wie die im Konus sitzende Spannzange genug Spielraum haben. Gewinde alleine können ja nie zentrierend sein. Mich hat heute die Neugier gepackt und, um es genau zu wissen, habe ich mit einer ganz einfachen Teststellung probiert, ob es wirklich funktioniert. (Bitte aber nicht nachmachen, schon gar nicht dauerhaft, es wäre schade um die Kugellager Eurer Frässpindel):

  1. Ich habe einen 6mm-Fräser in eine 6mm-ER-Spannzange eingespannt. Der Fräser lief laut Messuhr 2/100mm unrund
  2. Der Fräser muss bereits endgültig fix angezogen sein
  3. Nun habe ich mit 3 leichten Schlägen mit dem Kunststoffhammer auf die besagte Stelle geklopft. Ganz leicht, in Sorge um die Frässpindel und die Kugellager. Gerade so, wie es auch beim Fräsen Belastung gibt, nicht mehr.

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Das Ergebnis nach dem 3. Schritt:

Der Rundlauf war nur mehr 5/1000, also ein halbes Hunderstel. Es wäre noch mehr gegangen, aber das ist eine andere Geschichte und für den ersten Test wollte ich nicht zuviel Zeit investieren. Sobald ich meine einfache Ausricht-Konstruktion fertig habe, sehen wir weiter, Bericht folgt, stay tuned …

Schaufelräder für einen Schweizer Postraddampfer

Heute habe ich etwas Neues für Euch – aus Messing cnc-gefräst, nur eine Kleinigkeit. Aber selbst für diese Kleinigkeit brauchte ich mehrere Stunden. Man kann daran schön sehen, wie genau und klein man mit CNC-Maschinen fräsen kann. Es ginge noch kleiner, aber da habe ich noch keine Erfahrung damit. Meine 130kg schwere und 1010mm lange Fräse muss hier auf 1/100mm genau arbeiten. Schon eine Ungenauigkeit im Rundlauf der Frässpindel von lediglich 1/100mm kann die 0,5mm dicken Fräser abbrechen lassen, ein winzig kleiner Bedienfehler sowieso – und die mache ich ja auch allzugerne!

Hie und da fräse ich für Freunde Sachen, die mich interessieren. Um mich dem Dampfthema näher zu kommen, habe ich mich gestern und heute in Schaufelrädern versucht, die ein Wiener Echtdampfkollege für seinen Schweizer Postraddampfer braucht. Messingfräsen ist eine schöne Arbeit, aber auch hier gilt, dass das Fräsen an sich die wenigste Arbeit an diesen Teilen ist. Das Zeichnen, Programmieren und Aufspannen kostet viel mehr Zeit, etwa das Dreifache. Allerdings ist das, wie hier bereits der Fall, bei Kleinserien recht sinnvoll. Es handelt sich um 4 gleiche Räder und somit ab dem 2. Teil ein echter Zeitgewinn.

Die Eckdaten:

  • Fräser: Zunächst 1mm Zweischneider, die Innenecken danach mit 0,5mm Zweischneider nachgefräst.
  • Vorschub 220mm/Min
  • Zustellung 0,20mm
  • Luftkühlung, vor allem zur Späneabfuhr notwendig (vorher, ohne Luftkühlung, kosteten mich herumliegende Späne einen Fräser)
  • Der Schaufelrad-Durchmesser ist 66mm
  • Die Speichen sind 1mm breit
  • Material: MS58, 1mm dick

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Es fehlen noch die Schaufeln für diese Räder, notwendig sind 36 Stück – eine echte Kleinserie. Einige andere Teile von der Dampfmaschine habe ich leichtsinnigerweise auch noch versprochen (Lagerflansche, Halteplatten, Blöcke). Aber das ist eine andere Geschichte und fad wird mir in der nächsten Zeit nicht.