China-Pampe, meine Bernardo 305 ist nun topfit

China-Pampe. Wie ich schon vor 5 Tagen hier im Blog berichtet hatte, besitze ich ja neuestens eine Bernardo 305 Kombi-Blechbiege- und Schneidemaschine. Diese Kantbank bekam ich als Ebayschnäppchen um die Hälfte des Neupreises. Sie war fast ungebraucht, also weitgehend im Auslieferungszustand. Genau der Umstand war zwar das Erfreuliche, aber ich vermute, das war leider auch der Grund, warum der Typ sie hergab. Ich habe noch nie so eine vom Herstellerwerk her mit China-Pampe versiffte Maschine gesehen.

Für die, die China-Pampe nicht kennen:

Maschinen und Werkzeuge aus China werden, damit sie beim Schiffstransport nicht dem Rost der salzhaltigen Meeresluft ausgesetzt sind, überall mit einer klebrigen braungelben Masse eingesprüht, etwa so wie Fertigkleber mit Motoröl gemischt? Also war Reinigen angesagt.

Doch, da ging zunächst gar nichts, alle klebte und klemmte. An Bleche cutten war nicht zu denken, Rollenbiegen ging nur mit extremer Muskelkraft und die Abkantmesser waren auf 300mm ca. 10mm falsch, zu schräg, eingespannt. Die beweglichen Teile waren sogar auf deren an sich geschützen Innenseiten zugepampt. Meine Vermutung: In seiner Not dürfte der Vorbesitzer die Sachen verstellt haben, um die Maschine zum Funktionieren zu bringen. Allerdings tat er das augenscheinlich, bis kaum mehr etwas funktionierte. Die Einstellschrauben waren zB. derart stark angeknallt, dass die einzelnen Fallmesser zur Gänze feststeckten. Der Arme musste sie wohl verkaufen, weil er am Ende seines Könnens war?

Eine Totalzerlegung und Reinigung war der erste und wichtigste Punkt. Mit Petroleum und Bremsenreiniger bin ich gleich zu Beginn gescheitert, weil das Teil vermutlich schon lange in einer Ecke stand und mit der Zeit diese China-Pampe schweinehart wurde. Erst WD40 schaffte es, die China-Pampe so zu verdünnen, so dass ich sie ganz leicht wegwischen konnte. Nach dem Entgraten und vor dem Zusammenbauen der einzelnen Teile vergönnte ich den blanken Metallteilen noch ein ausgiebiges Vollbad in Öl. Irgendwie habe ich bei Teilen aus blankgeschliffenem Chinastahl immer den Eindruck, dass sie erst einmal Öl wie ein Schwamm aufsaugen, und dann erst kapieren, dass sie nicht rosten dürfen.

Der Zusammenbau war insofern wichtig, als dass ich mir dadurch gratis eine Anleitung erarbeitet hatte – denn eine Anleitung gibt es zwar, die ist aber das Papier (PDF) nicht wert. Eine Kantbank haben, aber sie auch sinnvoll zu verwenden, sind nämlich zweierlei Dinge:

Das Gerät ist konstruktiv sehr ausgeklügelt und es hat viele Verstell- und Einstellmöglichkeiten. Wenn man die Maschine also erst einmal gut eingestellt und die einzelnen Tricks entdeckt hat, geht wahnsinnig viel damit, Sachen, die herkömmliche Kantmaschinen nicht können. Beispielsweise kann man die einzelnen Segmente der Kantklingen rausnehmen und damit wird es möglich, eine Box an allen 4 Seiten mit 90° hochzubiegen.

Der Zustand der Maschine ist neuwertig und außer den üblichen Chinalackspuren, die man ohnehin fast nicht sieht, ist sie nun wie frisch aus dem Regal.  Alles ist leichtgängig, präzise, es flutscht und macht mir riesig Spaß!

Hier die Bilder des fertiggestellten Geräts:

China-Pampe

Bernardo 3 in 1 305, fertig geputzt und eingestellt 01

China-Pampe

Bernardo 3 in 1 305, fertig geputzt und eingestellt 02