Über Sinn und Unsinn einer Mini-Drehbank

von Jörg Eiberger

Drehteile herzustellen ist eine faszinierende Tätigkeit. Der Werkstoff kann selbst bestimmt werden und man kann Bauteile direkt nach seinen Vorstellungen und Toleranzen fertigen, ohne dabei vom Angebot des Marktes abhängig zu sein.

Wer selber gerne Drehteile fertigen möchte, steht in der Regel aber vor einer finanziellen Herausforderung. Große Drehbänke von Markenherstellern bewegen sich oftmals preislich auf einem Niveau mit einem gebrauchten Kleinwagen. Wer nur ein paar Drehteile benötigt, Drehen lediglich als Hobby betreibt oder auch nur einmal hineinschnuppern möchte, für den ist diese preisliche Größenordnung selbstverständlich viel zu hoch.

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Hobbydrehbank Wabeco (Bildquelle: Walter, Bastelstube)

Abhilfe schafft in diesem Fall eine Mini-Drehbank. Bei diesen Modellen handelt es sich einfach um kleinere Ableger der wuchtigen Metallbearbeitungsgeräte. Jene Drehbänke messen für gewöhnlich unter einem Meter in der Länge sowie etwa um 50 cm in Höhe und Breite. Sie sind fast ausschließlich ohne Gestell in Ausführung als Tischdrehbank erhältlich und ihr Gewicht variiert zwischen wenigen Kilo bis etwa 50 Kg.
Die Spitzenweite einer Mini-Drehbank beträgt meist nicht mehr als 300 mm und die Motorisierung entspricht der Größe. Oftmals beträgt die Leistung des Motors grob zwischen 250 bis 750 Watt.

Nachteile

Fast alle Mini-Drehbänke werden heutzutage wegen der geringen Fertigungskosten in Fernost hergestellt. Das muss zwar nicht zwangsläufig für minderwertige Qualität stehen, in der Praxis zeigen sich aber von Zeit zu Zeit Schwächen der Modelle. Da die Fertigungstoleranzen dort wohl etwas legerer betrachtet werden, gibt es immer wieder Maschinen, welche bereits von Haus aus erhebliche Mängel aufweisen. Neben teils hohem Spiel der Führungen geht dies unter anderem so weit, dass sogar das Maschinenbett verzogen sein kann. Dass sich mit solch einer Drehbank kaum etwas Maßhaltiges fertigen lässt dürfte klar sein.
Darüber hinaus limitieren selbstverständlich auch Spitzenweite und -höhe die Möglichkeiten.

Schwarwis Paulimot

Minidrehbank Paulimot (Bildquelle: Wilfried, Bastelstube)

Haltbarkeit

Aber auch in der Ausführung des Produktes merkt man den Maschinchen teils die, na ja, sagen wir mal wirtschaftliche Herstellung an. So finden sich an vielen Mini-Drehbänken aus Fernost Handräder aus Plastik wieder, was mit der Zeit natürlich ermüdet und nachgibt. Doch als ob das nicht schon reichen würde, ist teils noch mehr Plastik an deutlich wichtigeren Stellen verbaut. Viele Hersteller konstruieren ihre Maschinen so, dass für das Wechseln der Drehgeschwindigkeit Zahnräder im Getriebe getauscht werden müssen. Dies ist zwar meiner Ansicht nach etwas umständlich aber ansonsten nicht weiter schlimm. Schlimm ist allerdings, dass jene Zahnräder nicht selten ebenfalls aus Plastik bestehen.
Für eine kurze Nutzdauer mag dies in Ordnung sein, doch wer plant, die Mini-Drehbank regelmäßig über mehrere Jahre hinweg zu betreiben trägt ein Risiko. In diesem Fall läuft man Gefahr, dass wenn man Pech hat, eines Tages die Spindeldrehzahl rapide abzusinken beginnt. Bei Öffnen der Getriebeabdeckung fallen einem dann jede Menge kleiner Plastikabrieb entgegen und die einst gezackten Räder sind nun beinahe rund.

Werkstoffbearbeitung

Doch von einzelnen Material- und Fertigungsschwächen abgesehen bieten Mini-Drehbänke noch eine weitere elementare Schwäche. Die Motorleistung ist meist viel zu gering um härtere Werkstoffe wie Edelstahl zu schneiden. Doch auch schon bei herkömmlichem Baustahl kann meist nur minimal Span abgenommen werden. Ansonsten fangen bei vielen Maschinen an die Meißel zu springen und es entstehen unschöne Rattermarken. Somit ist also nur ein sehr gemächlicher Materialabtrag möglich, wodurch die Fertigung teils sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

Sowohl die geringe Motorleistung als auch das geringe Gewicht der Maschinen lassen oft einfach keine andere Wahl.

Wabeco, Schnellwechselhalter und Vierbackenfutter

Präzision mit Kleindrehmaschinen (Bildquelle: Walter, Bastelstube)

Präzision

Wie bereits erwähnt, wiegen Mini-Drehbänke selten wesentlich mehr als 50 Kilo. In Kombination mit teils großem Spiel der Führungen kann dies besonders bei härteren Werkstoffen schnell auf Kosten der Präzision und der Haltbarkeit gehen. Dieser Nachteil ist aber teil einfach bauartbedingt.

Vorteile

Natürlich sind nicht alle Mini-Drehbänke von Grund auf schlecht und zu nichts zu gebrachen. Je nach Hersteller finden sich auch durchaus brauchbare Modelle.

Größe

Die Größe ist auch einer der bedeutendsten Vorteile einer Mini-Drehbank. Zwar limitiert diese den Umfang der zu bearbeitenden Werkstücke, die kompakten Maschinen lassen sich jedoch auch alleine ohne größeren Aufwand bewegen. So passen sie in jede Hobbywerkstatt und sollte der Platz doch einmal für etwas anderes benötigt werden, kann die Drehbank im Handumdrehen anderswo verstaut werden.
Davon abgesehen eignen sich solche Modelle, entsprechende Präzision vorausgesetzt, auch bestens für das Drehen kleinerer Werkstücke. Wer beispielsweise fast ausschließlich kleine Zapfen, Schrauben oder Ähnliches benötigt, ist mit einer Mini-Drehbank in der Regel besser beraten als mit einem großen Gerät.

Preis

Parallel zur Größe gestaltet sich auch der Preis deutlich geringer als bei einer „richtigen“ Drehbank. So sind die kleinen Maschinchen schon ab etwa 400 Euro zu erstehen. Das ist zwar immer noch eine stattliche Summe, doch weitaus weniger als ein vierstelliger Betrag. Somit sind Mini-Drehbänke diesbezüglich sehr attraktiv, vor allem für Neulinge und Leute, die nur selten kompakte Drehteile benötigen.

Einstieg ins Drehen

Aufgrund des geringen Preises und der ebenso geringen Größe bieten Mini-Drehbänke eine perfekte Gelegenheit für Interessierte in die Welt des Drehens einzutauchen. Die handlichen Geräte sind bestens dafür geeignet erste Erfahrungen zu sammeln und sich mit dieser Form der Metallbearbeitung vertraut zu machen.
Des Weiteren können sie leicht umgebaut und modifiziert werden, sozusagen der Traum eines jeden passionierten Bastlers.

Fazit Mini-Drehbank

Auch wenn der Großteil der Maschinen aus Asien kommt, so sind nicht alle schlecht. Vor dem Kauf sollte man gegebenenfalls Erkundigungen über das auserkorene Modell einholen und sich mit der Materie auseinandersetzten. Einige Modelle habe ich für euch auf meiner Seite drehbank.co verglichen, hier kommt ihr direkt zum Beitrag.

Neben dem eigentlichen Gerät hängt es auch sehr stark vom geplanten Verwendungszweck ab, ob die Anschaffung einer Mini-Drehbank eine lohnenswerte ist. Wer gedenkt hauptsächlich weichere Werkstoffe wie Messing oder Aluminium zu bearbeiten, der ist mit einer qualitativen Maschine sicher bestens beraten. Wer hingegen vorhat überwiegend Drehteile aus Stahl oder gar Edelstahl zu fertigen, der sollte sich dies zweimal überlegen.

Wenn man sich darüber im Klaren ist, was man fertigen möchte und eine vernünftige Mini-Drehbank in Aussicht hat, der ist mit einer solchen gut aufgehoben.

Gleiches gilt für Anfänger und Gelegenheitsdreher. Mit einer hochwertigen Mini-Drehbank kann man jede Menge Spaß haben sowie wertvolle Eindrücke und Lektionen sammeln, ohne gleich mehrere Tausend Euro investieren zu müssen.